Montag, 24. September 2012

Meine Tante Lisbeth



 Elisabeth Grunendahl geborene Coblenz 01.4.1897



Meine Ur-Großtante Elisabeth, genannt Lisbeth, war die Schwester meiner Ur-Großmutter mütterlicherseits. Sie spielte eine ganz besondere Rolle in meinem Leben. Sie hatte mich immer wieder gerne bei sich und verwöhnte mich sehr. Meine Eltern zogen mit mir, als ich sechs Monate alt war, von Marburg in Hessen an den schönen Niederrhein. Mein Vater suchte hier Arbeit und es war kein Problem etwas zu finden. Im Gegensatz zu Hessen, wo mein Vater damit vorher keinen Erfolg hatte. Meine Mutter wurde am Niederrhein geboren und ihre Familie freute sich, dass sie dorthin nach ihrer Schwesternausbildung und Heirat mit Mann und Kind zurückkehrte. Onkel Arnold und Tante Lisbeth haben am 26.02.1945 ihren einzigen 20jährigen Sohn durch einen Schusswaffenunfall? verloren. Die Trauer darum verging nicht, aber als meine Eltern mit mir erschienen, da war die Freude groß und sie schlossen mich gleich besonders in ihr Herz. Onkel Arnold starb ganz plötzlich, ich war erst ein Jahr alt. Tante Lisbeth war nun eine gut situierte Witwe und nahm mich besonders unter ihre Fittiche. Mein Bruder, der zwei Jahre jünger ist als ich, wurde  nach dem verunglückten Sohn Arno genannt.   Mein Vater hatte dem Onkel das Versprechen gegeben sich immer um die Tante zu kümmern und das tat er vorbildlich. Sie hatte ihr Elternhaus geerbt und lebte dort nun ganz allein.

Mein Vater kümmerte sich nun um ihr Haus und den Garten und erledigte auch sonst alles Nötige. Ich verbrachte viel Zeit bei ihr und als ich alt genug war, da ging ich für sie einkaufen und erledigte im Haus und im Garten kleine Aufgaben. Sie war immer großzügig und ich bekam die meisten Wünsche erfüllt. Wenn ich regelmäßig meine Wochenenden und ab und zu auch die Ferien bei ihr verbrachte, dann bekam ich z.Bsp.  immer etwas zu lesen gekauft. Ich durfte dann gemütlich auf der Couch liegen, sie stellte mir Naschzeug bereit und meine geliebten Lesestunden konnten beginnen. Sie war wunderschön eingerichtet, hatte immer ganz elegante Kleidung an und konnte sich alles leisten, was ihr Herz begehrte.  Ich war ihr "Stümmken" und  habe auch viel mit ihr unternommen. Naja, dass es jede Woche zum Friedhof ging, das musste eben sein. 



Wir gingen dafür aber auch in die feinsten Restaurants und Cafè 's, das genoss ich dann sehr und meinte immer, das wäre ganz normal. Später wurde mir erst klar, dass ich von ihr schon sehr verwöhnt worden bin und meine Eltern sich das nicht hätten leisten können. Manchmal wäre ich auch lieber mit meinen Freundinnen spielen gegangen, aber Tante Lisbeth stand immer an erster Stelle, wenn es hieß, was mache ich denn nun. Da stand auch ein gewisses "muss" dahinter, manchmal wäre ich lieber zu Oma und Opa nach Marburg gefahren. Zum Glück durfte ich da meist in den Ferien hin. Erst als ich dann mit 14 Jahren in die Lehre ging, hatte Tante Lisbeth Verständnis dafür, dass ich nun nicht mehr soviel Zeit für sie hatte. Sie selbst hatte nämlich als Kapitänstochter, ihr Vater war Rheinschiffer, eine Lehre in einem Wäschegeschäft machen dürfen und das war schon für die damalige Zeit außergewöhnlich. Schade war es, dass meine Tante mit meinem Vater nicht so gut zurecht kam. Sie war es nicht so gewohnt, dass jemand ihr so unverblümt wie er die Meinung sagte. Aber froh war sie doch, dass sie ihn hatte. Er tat handwerklich alles für sie. Der Garten machte auch viel Arbeit. Da gab es dann im Sommer die leckersten Erdbeeren, die ich je gegessen habe.



Tante Lisbeth starb mit 74 Jahren ganz plötzlich, ich bin froh, dass es ihr bis zum Lebensende gesundheitlich gut ging. Meine Eltern haben sich immer sehr um sie gekümmert und waren ihr dankbar dafür, dass sie besonders mir so viele Dinge ermöglicht hat. Ich denke auch gerne an sie zurück, sie hat meine Eltern, meinen Bruder und mich sehr unterstützt. Das schöne kleine Häuschen, das Tante Lisbeth von ihren Eltern geerbt hatte, wurde leider abgerissen. Es musste städtischen Neubauten Platz machen. Sonst hätte es meine Mutter geerbt und wer weiß, vielleicht wohnte ich heute drin, wenn es anders gekommen wäre. Wie oft habe ich da den Dörpel geschrubbt und den Hühnerstall abgewaschen, lang, lang ist es her. 
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